Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung ist ein Vorsorgedokument, welches sich vor allem an Ärzte wendet, damit diese wissen, welche Behandlungen sie durchzuführen, zu begrenzen bzw. zu unterlassen haben. In der Patientenverfügung erklärt man den eigenen Willen für den Fall, dass man selbst nicht mehr entscheidungs- bzw. einwilligungsfähig ist. Diese kritischen Situationen können nach einem Unfall, während eines schweren Leidens, einer tödlichen Erkrankung oder am Lebensende entstehen.Angehörige wie Kinder oder Ehegatten haben keine „automatische“ Entscheidungsbefugnis, sondern müssen vorab bevollmächtigt werden bzw. sich vom Vormundschaftsgericht als Betreuer einsetzen lassen. Dass die Verwandten dieselben Entscheidungen treffen, die man selbst getroffen hätte, ist leider nicht immer gewährleistet.

Für die Patientenverfügung gibt es kein Einheitsformular, wohl aber über 200 Angebote. Sie gelten nach dem Bundesministerium der Justiz als verbindlich, ansonsten kann die Missachtung des Patientenwillens als Körperverletzung strafbar sein – wenn jemand etwa gegen seinen Willen künstlich ernährt oder reanimiert wird. Oftmals sind Patientenverfügungen jedoch zu schwammig formuliert und man ist besser beraten, sich an Sachkundige zu wenden, um die wirklich wichtigen Punkte zufriedenstellend abzuklären.

Die Standards einer wirksamen Patientenverfügung beinhalten vor allem Festlegungen zum Sterbeprozess, zu irreversiblem Koma und schwerer Demenz. Darauf bezogen sind Aussagen notwendig über:

  • Umfang der Schmerz- und Symptombehandlung
  • Lebenserhaltende Maßnahmen wie Dialyse, künstliche Beatmung
  • künstliche Ernährung, Antibiotika, Bluttransfusion
  • Wiederbelebungsversuche (jeweils mit „Ja“ oder „Nein“)

Darüber hinaus kann die Standard-Patientenverfügung erweitert werden zu Angaben über Bestimmungen zu Hospiz, religiösem Beistand, Sterben zu Hause, zur Verbindlichkeit der Patientenverfügung, Organspende, und sie kann ein Zusatzblatt mit persönlichen Angaben und Wertvorstellungen enthalten.

Für die Patientenverfügung gibt es keine Formvorschriften (anders als beim Testament), d. h. eine notarielle Beglaubigung oder Handschriftlichkeit ist nicht erforderlich. Sie kann später jederzeit, auch formlos, widerrufen werden.

Eine Patientenverfügung sollte nach Experten-Empfehlung diese Punkte berücksichtigen:

  • möglichst durch einen Arzt oder eine Beratungsstelle bezeugt sein
  • etwa alle zwei Jahre aktualisiert werden (neue Unterschrift mit Datum)
  • schnell auffindbar und sicher verwahrt sein
  • bei Bedarf in einer Patientenverfügungs-Hinterlegungsstelle hinterlegt werden
  • (z. B. des Humanistischen Verbandes, der auch für die Durchsetzung sorgt)
  • In jedem Fall sollte man eine Hinweiskarte auf eine Patientenverfügung – wie eine Versichertenkarte – bei sich führen!

Es besteht die Möglichkeit einen Beratungstermin zur Patientenverfügung zu vereinbaren.  E-Mail: karl-heinz.buechner@hvd-rlp-saar.de

Weiter Information zu Patientenverfügung finden Sie auf: www.patientenverfuegung.de


Insgesamt gibt es vier Vollmachten bzw. Verfügungen, die jeweils verschiedene Situationen abdecken:

  1. Nach einer Operation, die nicht wie geplant verlief, bin ich nicht ansprechbar.
    ⇒ VorAN-Bogen
    Gesundheitliche Vorausplanung: Anordnung für den Notfall gemäß §132g SGB V (advance care planning)
    Der Bogen wird anlassbezogen erstellt, in der Regel bei Eingriffen im Krankenhaus, und danach üblicherweise wieder vernichtet. Der Bogen regelt, welche lebensverlängernden Maßnahmen ergriffen werden dürfen, wenn der/die Patient_in nicht ansprechbar ist.
    Notfallbogen VorAN  zum Download
  2. Ich bin z.B. nach einem Unfall nicht mehr ansprechbar:
    ⇒ Gesundheitsvollmacht
    Um Informationen über meinen Zustand zu erhalten, ist diese Vollmacht selbst für engste Familienangehörige (Gatten, Kinder, Eltern), erforderlich.
    Bei mehreren Bevollmächtigten müssen sich die anwesenden Bevollmächtigten über unmittelbar notwendige Maßnahmen einig sein. Es muss mindestens ein Original geben, Bevollmächtige sollten Kopien erhalten. Hilfreich ist Bezeugung (Unterzeichnung) durch Nichtbevollmächtigte – egal in welcher Funktion.
  3. Ich bin schwer krank ohne Aussicht auf Besserung und nicht bei klarem Verstand oder kann nicht mehr kommunizieren.
    ⇒ Patientenverfügung
    Mit der Patientenverfügung legt man fest, welche Behandlungen man sich (nicht) wünscht, wenn ein baldiger Tod wahrscheinlich ist. Diese Patientenverfügung gibt es beim HVD in zwei Ausführungen:

    • Die optimale Patientenverfügung berücksichtigt individuelle Ansichten und Wertvorstellungen zur Lebensqualität bis hin zu würdevollem Sterben, ist differenziert und komplex und erfordert in der Regel eine intensive ärztliche Beratung.
    • Die standardisierte Patientenverfügung basiert auf einem Online-Fragebogen und berücksichtigt die üblicherweise auftretenden Situation in der Palliativmedizin.

    Die Unterschrift unter dieser Verfügung sollte unbedingt alle 2 Jahre erneut geleistet werden, sonst kann diese angefochten werden. Es empfiehlt sich ebenfalls, einen Arzt die geistige Zurechnungsfähigkeit auf dem Bogen – zumindest bei der Erstunterzeichnung – bestätigen zu lassen.

    Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihre Patientenverfügung immer abrufbar ist und im Fall des Falles jemand Professionelles darauf achtet, dass die behandelnden Ärzte oder Ärztinnen auch über Ihre Patientenverfügung informiert sind, dann ist das Rundum-Sorglos-Paket ↗ genau das Richtige für Sie.

  4. Ich bin nicht mehr geschäftsfähig, z.b. wegen Demenz oder Wachkoma.
    ⇒ Vorsorgevollmacht
    Diese Vollmacht beinhaltet alle Vollmachten, die notwendig sind, um die Dinge meines täglichen Lebens und mein Eigentum betreffend zu regeln. Wenn diese Vollmacht fehlt, legt das Gericht – kostenpflichtig und vermögensabhängig – einen Betreuer fest (Betreuungsverfügung).Ist diese Vollmacht als „unmittelbar gültig“ formuliert, gilt sie auch, wenn ich noch gesund und geschäftsfähig bin. Ist sie als Vorsorge-Vollmacht formuliert, müssen Bevollmächtigte ein Attest über meine Unfähigkeit zur Ausübung der Geschäfte vorlegen.
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.